
Glossar
Begriffe aus der Trans-Gesundheitsversorgung
Auf dieser Website werden im Zusammenhang mit der Geschlechtsinkongruenz folgende Begriffe verwendet.
Geburtsgeschlecht
das Geschlecht, das aufgrund körperlicher Merkmale (insbesondere der Genitalien) in das Geburtenregister eingetragen wird.
Zuweisungsgeschlecht
Rechtsbegriff für den amtlichen Geschlechtseintrag, wonach auf der Grundlage des Geburtsgeschlechts die Merkmale weiblich, männlich oder divers in die Geburtsurkunde eingetragen werden.
Geschlechtsidentität
beschreibt die starke subjektive Überzeugung, einem bestimmten Geschlecht anzugehören, z. B. dem weiblichen, dem männlichen, beiden Geschlechtern oder keinem davon. Dieses Empfinden kann vom biologischen Geschlecht, das bei der Geburt zugewiesen wurde, abweichen und muss nicht mit einem gesellschaftlich erwarteten Geschlechterrollenverhalten übereinstimmen. Sie ist fester Bestandteil der Persönlichkeit und kann nicht beeinflusst oder geändert werden.
trans
(gleichbedeutend transgeschlechtlich, transident, transgender, trans*)
beschreibt Personen, die sich nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht (zugewiesenem Geschlecht) identifizieren können – unabhängig davon, ob diese Personen eine Transition (siehe unten) anstreben oder nicht. Gemeint sind auch Personen, die sich als non-binär identifizieren. Der Begriff trans wird auf dieser Website wie in der AWMF-S3-Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit: Diagnostik, Beratung, Behandlung“ (2018) verwendet.
cis
beschreibt Personen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde – also alle Personen, die nicht trans sind.
binär
beschreibt Personen, die sich entsprechend einer traditionellen gesellschaftlichen Einteilung, die genau zwei Geschlechter kennt, als entweder männlich oder weiblich identifizieren.
non-binär
(gleichbedeutend nicht-binär, non binary)
beschreibt Personen, die sich weder mit dem männlichen noch mit dem weiblichen Geschlecht identifizieren. Dem Begriff liegt die Auffassung zu Grunde, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt bzw. dass sich die Geschlechtsidentität in einem Spektrum abbilden lässt.
divers
Rechtsbegriff, der für Personen steht, die sich weder mit dem männlichen noch mit dem weiblichen Geschlecht identifizieren.
trans Frau
Person, der bei der Geburt das Geschlecht eines Mannes zugewiesen wurde, die sich aber mit dem weiblichen Geschlecht identifiziert.
trans Mann
Person, der bei der Geburt das Geschlecht einer Frau zugewiesen wurde, die sich aber mit dem männlichen Geschlecht identifiziert.
trans Personen
Oberbegriff, unter dem trans Frauen, trans Männer und non-binär identifizierte Personen zusammengefasst werden.
Transsexualismus
(gleichbedeutend Transsexualität)
Medizinische Diagnose aus dem ICD-10.
transsexuell
beschreibt Personen, die sich nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht (zugewiesenem Geschlecht) identifizieren. Der Wortstamm ist irreführend, da der Begriff weder mit sexuellen Wünschen oder sexuellen Praktiken noch mit der sexuellen Orientierung zu tun hat.
Geschlechtsinkongruenz
Medizinische Diagnose aus dem ICD-11, der für die fehlende Übereinstimmung zwischen dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht und dem empfundenen Geschlecht steht – häufig, aber nicht zwingend verbunden mit dem Wunsch nach einer Transition.
Geschlechtsdysphorie
Leidensdruck infolge einer Geschlechtsinkongruenz.
DSD
(gleichbedeutend intergeschlechtlich, intersexuell, inter*)
Differences of Sex Development beschreibt Menschen, deren genetische, hormonelle oder körperliche Geschlechtsmerkmale nicht eindeutig als männlich oder weiblich eingeordnet werden können. Es handelt sich um angeborene Varianten der Geschlechtsentwicklung, die aus unterschiedlichen medizinischen Gründen entstehen.
Transition
allgemein: Übergang in eine andere Entwicklungsphase,
im Zusammenhang mit einer Geschlechtsinkongruenz: alle Maßnahmen zur Anpassung einer Person an ihre Geschlechtsidentität, z. B. durch einen Geschlechtsrollenwechsel (soziale Transition), durch medizinische Maßnahmen (medizinische Transition) oder durch die rechtliche Anerkennung einer vom Geburtsgeschlecht abweichenden Geschlechtsidentität (rechtliche Transition).
Coming-out, Coming Out
(englisch für “herauskommen”) bezeichnet den Prozess, bei dem eine Person ihre Geschlechtsidentität oder ihre sexuelle Orientierung entdeckt, akzeptiert (inneres Coming-out) und sich diesbezüglich gegenüber anderen offenbart (äußeres Coming-out).
Outing
bedeutet, dass jemand die Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung einer anderen Person gegen deren Willen öffentlich macht.
Achtung: Bisweilen ist mit der Aussage „sich outen“ auch die freiwillige Offenbarung der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung gemeint; „sich outen“ wird demnach gleichbedeutend mit dem Begriff Coming-out verwendet.
misgendern
bedeutet, dass eine Person auf eine Weise angesprochen wird, die nicht ihrer Geschlechtsidentität entspricht, indem z. B. die falschen Pronomen (er/sie) oder eine falsche Anrede (Herr/Frau) verwendet werden. Es kann unbeabsichtigt (aus Versehen) zu einem Misgendering kommen. Ein absichtliches Misgendering ist ein Zeichen grober Respektlosigkeit und kann bei trans Personen zu massiven seelischen Belastungen führen. Misgendering kann sich auch durch ein Verhalten der Umwelt äußern, das die Nicht-Akzeptanz der Geschlechtsidentität zum Ausdruck bringt.
Transnegativität
steht für Vorurteile und diskriminierendes Verhalten gegenüber trans Personen.
Transphobie
beschreibt die Abneigung gegenüber oder die Furcht vor trans Personen. Sie manifestiert sich in Form von Diskriminierung, Mobbing, Ausgrenzung, Misgendering (siehe oben), Vorurteilen und Gewalt – sei es verbal, körperlich oder institutionell. Transphobie beruht häufig auf der Annahme, dass es nur zwei Geschlechter gibt und trans Personen nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen.
Fachbegriffe aus Psychotherapie und Medizin
Psychotherapeut:innen
Psycholog:innen oder Ärzt:innen mit staatlich anerkannter Berechtigung (Approbation) zur Ausübung der Heilkunde. Die Approbation setzt eine spezielle Weiterbildung auf dem Gebiet der Psychotherapie voraus.
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen
Psycholog:innen, Pädagog:innen oder Ärzt:innen mit staatlich anerkannter Berechtigung (Approbation) zur Ausübung der Heilkunde. Die Approbation setzt eine auf die Belange von Kindern und Jugendlichen ausgerichtete Weiterbildung im Bereich der Psychotherapie voraus.
Psychiater:innen
Fachärzt:innen, die den psychischen Befund erheben, Diagnosen stellen, Informationsvermittlung und Beratung anbieten, zielgerichtete Gespräche zur Linderung von Beschwerden oder zur Vorbeugung durchführen und medikamentöse Behandlungen einleiten können. Psychiater:innen verfügen zusätzlich über eine psychotherapeutische Weiterbildung.
Kinder- und Jugendlichenpsychiater:innen
Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie mit spezieller Ausbildung für die Belange von Kindern und Jugendlichen.
Psychotherapie
Behandlung seelischer oder körperlicher Leiden durch psychologische oder ärztliche Psychotherapeut:innen bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen mit psychologischen Gesprächen und / oder Übungen. Medikamente zählen nicht zur psychotherapeutischen Behandlung, können aber gegebenenfalls von Ärzt:innen ergänzend verordnet werden. Vor Beginn einer Psychotherapie muss geklärt werden, welche Anliegen die behandlungssuchende Person an die Psychotherapie hat. Psychotherapeut:innen und behandlungssuchende Personen vereinbaren gemeinsam die Behandlungsziele.
Richtlinien-Psychotherapie
Es existieren verschiedene Psychotherapie-Schulen. Als Richtlinien-Psychotherapie sind von den Krankenkassen die Verhaltenstherapie, die systemische Therapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse anerkannt, sofern die Behandlung von ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeut:innen bzw. von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:innen durchgeführt wird. Die Richtlinien-Psychotherapie wird in Therapieeinheiten (Sitzungen) von jeweils 50 Minuten Dauer durchgeführt. Psychotherapeutische Behandlungen sind bei gesetzlichen Krankenkassen immer und bei anderen Kostenträger in der Regel antragspflichtig. Der Transsexualismus gehört in den Diagnosen-Katalog der Richtlinien-Psychotherapie. Ein Kostenübernahme-Antrag ist dann gerechtfertigt, wenn darüber hinaus ein Anliegen besteht, das mit den Mitteln der Psychotherapie behandelt werden kann.
Behandlungen durch Heilpraktiker:innen zählen nicht zur Richtlinien-Psychotherapie und werden daher von gesetzlichen Krankenkassen nicht als Voraussetzung für die Kostenübernahme geschlechtsangleichender Operationen anerkannt.
Reproduktionsmedizin
Teilgebiet der Medizin, das sich mit der Fortpflanzung sowie der Prophylaxe, Diagnose und Therapie von Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit (Fertilitätsstörungen) beschäftigt.
Kryokonservierung
Schonendes Einfrieren von Zellen und Geweben bei extrem tiefen Temperaturen, wodurch alle Stoffwechselprozesse zum Stillstand kommen und die biologischen Materialien (z. B. Spermien oder Eizellen) über lange Zeit konserviert werden können, um sie später aufzutauen und zu nutzen.
Hormone
Botenstoffe, die von spezialisierten Drüsen im Körper produziert werden und die der Kommunikation zwischen Zellen und Organen dienen. Sie regulieren eine Vielzahl lebenswichtiger Körperfunktionen wie Stoffwechsel, Wachstum, Fortpflanzung, Blutdruck und Wasserhaushalt.
Sexualhormone
Botenstoffe, die für die Entwicklung der Geschlechtsmerkmale, die Fortpflanzung und die Steuerung der Sexualfunktionen verantwortlich sind. Ein Sexualhormonmangel kann zu Beeinträchtigungen der seelischen und körperlichen Gesundheit führen.
Screening
Systematisches Verfahren zur Früherkennung von Krankheiten (z. B. Mammografie zur Früherkennung von Brustkrebs).
Mammografie
Spezielle Röntgenuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs.
Mastektomie
Entfernung der Brustdrüse. Im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Operation wird dieser Begriff oft gleichbedeutend mit dem Eingriff zur Vermännlichung (Maskulinisierung) der Brust verwendet. Bei der maskulinisierenden Brustoperation sind jedoch neben der Entfernung der Brustdrüse in der Regel weitere Eingriffe erforderlich (z. B. Entfernung überschüssiger Haut, bisweilen Verkleinerung des Brustwarzenvorhofs und/oder eine Verlegung der Brustwarze).
Liposuktion
Entfernung von Fettgewebe durch Absaugung, kann beispielsweise bei der vermännlichenden Brustoperation notwendig sein.
Penoid
Operativ geschaffenes Organ, wobei aus einem Haut-/Bindegewebslappen (meist vom Unterarm, bisweilen vom Oberschenkel, ggf. auch von anderen Spenderorganen) eine penisähnliche Struktur gebildet wird. Penoide kommen nach Penisentfernungen aus medizinischen Gründen, nach Unfällen oder im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Operation zur Anwendung.
Klitorispenoid
(gleichbedeutend Klitpen oder Metaidoioplastik)
Ein Klitorispenoid wird durch die Streckung und Mobilisierung der hormonell (durch Testosteron) vergrößerten Klitoris und des umliegenden Gewebes geformt. Es unterscheidet sich in Form, Größe und Funktion von einem Penoid, das aus einem Haut-/Bindegewebslappen gebildet wird (siehe oben).
Hodenprothese
Implantat (in der Regel aus Silikon), das natürliche Hoden nachahmt. Eine Hodenprothese wird beim Fehlen natürlicher Hoden (z. B. in Folge einer Fehlbildung), nach Hodenentfernung aus medizinischen Gründen (z. B. wegen einer Krebserkrankung) oder nach Unfällen eingesetzt. Durch die Ähnlichkeit mit einem natürlichen Hoden vermittelt die Hodenprothese ein Tragegefühl und korrigiert das äußere Erscheinungsbild. Hodenprothesen kommen auch im Rahmen von geschlechtsangleichenden Operationen zur Anwendung.
Erektionsprothese
(gleichbedeutend Penisprothese oder Schwellkörperimplantat)
Operativ eingesetztes medizinisches Gerät, das bei Verlust der natürlichen Gliedsteife eine Erektion ermöglicht. Es kann auch zur Versteifung eines Penoids im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Operation eingesetzt werden.
Orchiektomie
Operative Entfernung eines oder beider Hoden, meist aufgrund von Hodenkrebs, fortgeschrittenem Prostatakrebs zur Senkung des Testosteronspiegels, schweren Verletzungen oder als Teil einer geschlechtsangleichenden Operation.
Vulvaplastik
Operative Formung eines äußerlich sichtbaren weiblichen Genitale im Rahmen einer geschlechtsangleichenden Operation.
Neovagina
(gleichbedeutend Vaginoplastik)
Operativ geschaffene Scheide, die nach Unfällen oder Krankheiten oder im Rahmen von geschlechtsangleichenden Operationen angelegt wird.
Kehlkopfreduktionsplastik
Operativer Eingriff, bei dem der hervortretende Knorpel (Adamsapfel) abgetragen wird, um eine weichere Halskontur zu schaffen, wobei die Stimmbänder geschützt werden und die Stimme normalerweise unberührt bleibt. Die Kosten werden bei trans Frauen in seltenen, besonders begründeten Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Phonochirurgie
Alle operativen Eingriffe zur Verbesserung und Wiederherstellung der Stimmfunktion, oft minimal-invasiv und mikrochirurgisch am Kehlkopf und den Stimmlippen. Phonochirurgische Eingriffe werden in der Regel zur Korrektur von Stimmstörungen durchgeführt, die durch gutartige Veränderungen (wie Knötchen, Polypen), Lähmungen oder Strukturdefekte verursacht werden. Mit Hilfe von phonochirurgischen Eingriffen kann auch eine Feminisierung der Stimme erreicht werden. Die Kosten werden bei trans Frauen nur in seltenen, besonders begründeten Fällen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Gesichtsfeminisierende Operationen
Oberbegriff für eine Reihe chirurgischer Eingriffe, die männliche Gesichtsmerkmale weicher und weiblicher gestalten, um sie an die weibliche Geschlechtsidentität anzupassen. Der Begriff umfasst Korrekturen an Stirn, Kiefer, Kinn, Nase, Lippen, Wangen und Augen. Die Kosten werden bei trans Frauen in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.