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Diagnostik

Die Internationale Statistische Klassifikation von Krankheiten und Gesundheitsproblemen (englisch: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) ICD der Weltgesundheitsorganisation WHO ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen.

Im deutschen Krankenkassensystem ist die 10. Auflage ICD-10 verbindlich.

Die ICD-10-Diagnosen

  • Transsexualismus F 64.0

  • Störung der Geschlechtsidentität im Kindesalter F 64.2 und

  • Sonstige Störungen der Geschlechtsidentität F 64.8

sind dem Kapitel der psychiatrischen Störungen zugeordnet und kennen zwei Geschlechter.

Wesentliche Kriterien des Transsexualismus nach ICD-10 F 64.0

  • Wunsch, als Angehöriger des anderen anatomischen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden,

  • Gefühl des Unbehagens oder der Nichtzugehörigkeit zum eigenen Geschlecht,

  • Wunsch nach hormoneller und chirurgischer Behandlung,

  • transsexuelle Identität durchgehend über mindestens zwei Jahre,

  • transsexuelle Identität ist kein Symptom einer anderen psychischen Störung,

  • Ausschluss DSD (Differences of Sex Development), d.h. einer Intergeschlechtlichkeit.

 

Wesentliche Kriterien einer Störung der Geschlechtsidentität im Kindesalter nach F 64.2

  • Manifestation in der frühen Kindheit, lange vor der Pubertät,

  • Diagnose kann nur vor Erreichen der Pubertät gestellt werden,

  • Verlauf ungewiss, führt nicht zwingend zu einer überdauernden Geschlechtsinkongruenz.

 

Die non-binäre Geschlechtsidentität zählt definitionsgemäß nicht zum Transsexualismus. Sofern medizinische Behandlungen erforderlich sind, kann sie unter der Rubrik Sonstige Störungen der Geschlechtsidentität F 64.8 verschlüsselt werden, wobei für operative Behandlungen dennoch keine Kostenzusage durch die gesetzlichen Krankenkassen erwartet werden kann.

Die 11. Auflage der ICD ist bereits veröffentlicht. Es ist nicht bekannt, wann die ICD-11 in das deutsche Krankenkassensystem eingeführt wird.

Die Diagnose Geschlechtsinkongruenz wird im ICD-11 nicht mehr als psychiatrische Störung geführt, sondern dem Kapitel 17 „Zustände mit Bezug zu sexueller Gesundheit“ zugeordnet.

Wesentliche Kriterien der Diagnose Geschlechtsinkongruenz in der Jugend oder im Erwachsenenalter nach ICD-11 HA 60

  • ausgeprägte und anhaltende Inkongruenz zwischen dem empfundenen Geschlecht und dem zugewiesenen Geschlecht,

  • häufig Wunsch nach einer Transition, um als Person des erlebten Geschlechts zu leben und akzeptiert zu werden,

  • und zwar durch eine Hormonbehandlung, einen chirurgischen Eingriff oder andere Gesundheitsleistungen, um den Körper so weit wie möglich anzupassen.

 

Wesentliche Kriterien der Diagnose Geschlechtsinkongruenz im Kindesalter nach ICD-11 HA 61

  • mindestens 2 Jahre andauernde ausgeprägte Inkongruenz zwischen dem empfundenen / ausgedrückten Geschlecht und dem zugewiesenen Geschlecht bei präpubertären Kindern,

  • Abneigung gegenüber den eigenen körperlichen Geschlechtsmerkmalen,

  • Verlangen nach den Geschlechtsmerkmalen des empfundenen Geschlechts,

  • Phantasiespiele, Spielzeug, Aktivitäten und Spielkameraden, die für das erlebte Geschlecht typisch sind,

  • geschlechtsvariante Verhaltensweisen oder Vorlieben reichen für die Diagnose nicht aus.

 

Der Begriff der Geschlechtsdysphorie stammt aus dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association und wird international sowohl von Betroffenen als auch in Fachkreisen häufig verwendet. Er umfasst einen mindestens 6 Monate andauernden Leidensdruck oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen in Folge einer Geschlechtsinkongruenz.

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